Awarenesskonzept – Offenes Antifa Treffen (OAT)
1. Grundsätze
Das OAT ist ein solidarischer, politischer Raum, in dem alle ohne Angst vor Diskriminierung, Übergriffen oder Ausgrenzung teilnehmen können sollen. Wir setzen uns aktiv für eine queerfeministische, rassismuskritische, klassenbewusste und antisexistische Praxis ein.
Diskriminierendes Verhalten – wie Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus, Klassismus oder abwertende Sprache gegenüber armutsbetroffenen Menschen – sowie rechtes Gedankengut haben hier keinen Platz.
Wir wissen, dass gesellschaftliche Machtverhältnisse auch in linken Räumen wirken. Wir wollen dem aktiv etwas entgegensetzen.
2. Awareness-Struktur
- Awareness ist Aufgabe aller. Jede*r ist mitverantwortlich, auf das Miteinander zu achten.
- Klare Ansprache möglich: Personen mit problematischem Verhalten werden (sofern sicher möglich) angesprochen. Wiederholungen oder schwere Vorfälle führen zum Hausverweis.
- Personen, die im Auftrag staatlicher Repressionsapparate handeln – z.B. Polizei, Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaft oder Abschiebebehörden – sind aus Schutz- und Solidaritätsgründen vom Treffen ausgeschlossen. Ihr Erscheinen gefährdet das Vertrauen, die Sicherheit und den politischen Raum, den wir gemeinsam schaffen wollen.
- Auch Parteisymbolik wie z.B. Fahnen, Kleidung etc. sind bei uns nicht erwünscht. Wir wollen uns nicht für Wahlkampf oder Vereinnahmungsversuche instrumentalisieren lassen. Offene Parteidarstellung kann zum Ausschluss führen.
Wir erkennen an, dass der Zugang zu linken Strukturen durch Klassenzugehörigkeit, Bildungsprivilegien und Sprache oft erschwert ist. Wir wollen bewusst Barrieren abbauen – im Umgang, in Diskussionen und durch solidarisches Verhalten.
3. Ansprechpersonen & Räume
- Ansprechpersonen sind während des Treffens klar erkennbar: Barcrew & Moderation übernehmen Awarenessaufgaben sichtbar und ansprechbar.
- Rückzugsraum: Ein ruhiger Raum steht jederzeit für Menschen zur Verfügung, die sich zurückziehen möchten – zum Beispiel nach überfordernden Situationen oder zur Verarbeitung.
4. Umgang mit Vorfällen
- Betroffene von diskriminierendem oder übergriffigem Verhalten werden ernst genommen und entscheiden selbst, was sie brauchen.
- Mögliche Maßnahmen:
- Klärendes Gespräch mit Unterstützung
- Ausschluss der verursachenden Person vom Treffen
- Vermittlung weiterführender Unterstützung
Wichtig: Im Mittelpunkt stehen immer die Bedürfnisse der betroffenen Person(en) – nicht eine „objektive“ Aufarbeitung.
Wir wissen, dass strukturelle Unterdrückung sich unterschiedlich auswirkt – je nach Positionierung in Bezug auf Klasse, Herkunft, Geschlecht oder andere Faktoren.
5. Selbstverständnis & Reflexion
Wir verstehen Awareness als lernenden Prozess. Auch wir machen Fehler – aber wir nehmen Kritik ernst, reflektieren unser Verhalten und Strukturen regelmäßig.
Klassismus, Leistungsdruck und Bildungsarroganz haben auch in linken Räumen keinen Platz. Wir setzen uns für eine solidarische Praxis ein, die unterschiedliche Lebensrealitäten mitdenkt – egal ob lohnabhängig, arbeitslos, in Ausbildung, armutsbetroffen oder prekarisiert.